Land Ahoy


Was gibt es über das Leben auf dem Land zu sagen? Wenig, und doch Viel. Die Liebe scheint im Detail zu liegen. In der Sonne um sechs und den Kuhglocken wenig später.


Von Birgit-Silke Goedde

Bildnachweis: Echtwort / Joe Plasmatico

Irgendwie ist alles anders. In der Stadt. Oder auf dem Land. Hängt ganz von der Betrachtungsweise ab. Auf jeden Fall gilt es, sich umzugewöhnen. 

Die vielen kleinen Schumachers, zum Beispiel, auf der Landstraße, in den paar Kilometern zwischen zwei Flecken. Da muss man schon mithalten können. Oder die Fähigkeit, Gülle ohne Nasenzwickel zu ertragen. Das braucht tägliche Übung und harte Disziplin.

Daß einem Ochs und Esel gute Nacht sagen, gibt wiederum ein gutes Gefühl. So eingebunden zu sein, in die Natur. Auch und gerade bei Schneeverwehungen. 

Es gibt keine Gebrauchsanweisung. Aber, spätestens, wenn die hohen Hacken im Schrank bleiben und Boots zur Tagesausstattung werden, dann weiß man, dass man angekommen ist, auf dem Land.

Bei Häuslebauern, Pferdeweiden und Biobauern. Mit Traktoren, so groß wie in amerikanischen Sci Fi Filmen vom Ende der Welt. Bei stetig brüllenden Kinderhorden. Bei der freiwilligen Feuerwehr mit ihren zweite-Weltkrieg-Kampfbomber-Sirenen. Morgens um vier Uhr.

Und dem Rasenmäher. Dem Rasenmäher am Samstag zum Frühstück. Und zum Kaffee. Und zum Abendessen.Und überhaupt an jedem anderen Tag nach Feierabend.

So richtig verkraften kann man die stadtferne Landruhe nur, ehrlich gesagt, weil es sie hier noch gibt, die menschenleeren Supermärkte mit prallgefüllten Regalen. Die Parkplätze. Die kleinen Kinos mit Familienanschluss. Die Morgensonne um fünf Uhr. Die Eier von fröhlichen Hühnern und Metzgereien namens "Killer".

Das hat schon was. Diese unerschütterliche Bodenständigkeit.

Im "anders" weiß man sie wieder zu schätzen. Die Stadt, mit ihren Häuserschluchten und schrillen Vögeln. Die neuen Blickwinkel, die sie einem eröffnet.

Und manchmal, wenn der Gülletraktor wieder seine abendliche Runde fährt, dann erwischt man sich. Dass man ihn vermisst. Ein ganz klein wenig. Den Feinstaub.


Editorial zur Buchproduktion (Bildband) "Zwischenraum".